Was wäre eigentlich, wenn…die Telekom einfach einen Werbe-Blocker für Alle installieren würde?


Ob es nun wirklich die Telekom tut, oder vielleicht Unity Media, 1&1 oder eben irgendein anderer großer Internetdiensteanbieter (ISP), ist eigentlich nicht so wichtig. Nur „dass“ einer der genannten einen Werbeblocker in sein Netz einbauen würde, wäre sicher Grund genug zur Aufregung. Gründe für ein solches Vorgehen durch die ISPs gäbe es genug, aber es fragt sich, was im Fall des Falles passieren würde und – bezogen auf die ursprüngliche Geschichte von free.fr – wie sich die Wirklichkeit entwickelt. Doch eins nach dem andern:

Der Vorfall in Frankreich

Zuerst einmal: was ist überhaupt passiert?
Passiert ist eben, dass sich der französische ISP Free.fr hat einfallen lassen, in der neuen Firmware seines weit verbreiteten Routers „Free Box“ einen Werbeblocker á la AdblockPlus zu installieren, der noch dazu vom Kunden gar nicht mehr deaktiviert werden konnte. An vielen Stellen im Netz heißt es nun -nachdem free.fr die Sperre mit dem darauf folgenden Update wieder entfernt hatte – dass dem Diensteanbieter die Verwendung dieser Funktion „verboten“ worden wäre, aber das ist sicher nicht so einfach. Die NZZ schreibt dagegen, die Regierung in Form der Ministerin für Telekommunikation habe sich mit dem ISP „geeinigt“, die Sperre wieder zu entfernen. Was oder ob der Firma im Gegenzug dafür etwas anderes angeboten wurde, wurde derweil nicht bekannt, steht aber irgendwie zu vermuten.

Auf jeden Fall sind nach diesem Vorfall, der entsprechend hohe Medienwellen geschlagen hat, eine Menge Leute überhaupt erstmal auf die Idee gekommen, das man die Werbung auch technisch entfernen könnte. Die Anzahl der Suchanfragen für solche, in der Regel in den Browser integrierte,Tools hat jedenfalls deutlich zugenommen, wie AdblockPlus freudig vermeldet. Von einem kunden-unfreundlichen Schritt kann man bei der Vorgehensweise von free.fr also eher nicht sprechen.

Gründe der ISPs

Außer Kundenfreundlichkeit spielt sicher auch das Datenvolumen eine Rolle, das für die blinkenden Banner und aufpoppenden Ads so durch die Leitung gepumpt werden muss. Aus Gründen der Netzneutralität muss es das natürlich auch, nur kostet das die ISPs eben auch Geld. So ist es eigentlich kein Wunder, dass sie nun nach ihrem Anteil an dem durchs Werben generierten Ertragskuchen greifen, auch wenn sie für die Bereitstellung der Infrastruktur eigentlich ja schon eine schöne Stange Geld bekommen – nur eben nicht „direkt“ von den Werbenden. Vielleicht muss auch die Datenautobahn mal neu geteert werden, so dass sich den ISPs zusätzliche Begründungen anbieten, flugs mal ein paar „zusätzliche Steuern“ zu erheben. So sieht es jedenfalls aus, denn richtig etwas machen kann ja niemand dagegen, auch wenn es im Prinzip natürlich um das Eröffnen weiterer Einnahmequellen eines privat-wirtschaftlichen Unternehmens geht.

Die Nachteile einer solchen Aktion liegen aber ebenso auf der Hand. Abgesehen von Kooperationspartnern, die sich zurück ziehen könnten, sind ja auch noch andere Kunden von free.fr betroffen, als nur der normale Durchschnitts-Werbende. Webseitenbetreiber bzw. deren Hoster werden sich bedanken und ganz schnell den Anbieter wechseln…solange, bis der auch einen Sonderbeitrag für die Durchleitung der Werbung verlangt. Denn ob sich die Firmen das immer so schnell von ihren Regierungen ausreden lassen werden, wie im Fall von free.fr, ist wohl mehr als fraglich, allein schon, weil sich´s lohnen kann. Der ein oder andere ISP wird einen Adblocker möglicherweise sogar als Alleinstellungsmerkmal zu nutzen versuchen, andere werden es unter Umständen als Premium-Dienst anbieten ($$$) wollen. Aus der Welt ist die Idee aber nach diesem kurzen französischen Intermezzo jedenfalls noch lange nicht.

Whitelist oder Premiumdienst – die Monetarisierung

In der Diskussion ist nun eine Art „Whitelist“, in der die Webseiten (nicht die Werbetreibenden) mit der weniger nervigen Werbung eingetragen werden würden, nur käme das ja einer Zensur nahe, die niemand wirklich will. Eine derartige, „positive Diskriminierung“ würde konformes Verhalten einfordern, womit kritischen Seiten auch schnell der Garaus gemacht werden kann, egal was für ne Werbung dort angezeigt wird. Und wenn die Anwender erstmal in der Nussschale sitzen, steigen sie bekanntlich ja nicht so schnell wieder aus (Apple?); will sagen: die meisten werden wohl die „Whitelist“ nur noch seltenst verlassen, was dem Konformitätstrend weiter Vorschub leistete. Eigentlich also nicht akzeptabel, aber möglicherweise trotzdem politisch durchsetzbar.

Für die im Netz werbenden würde eine solche zusätzliche „Zugangsschranke“ voraussichtlich also zusätzliche Kosten bedeuten. Denn wenn die Wünsche der Serviceanbieter nicht komplett aus der „empfangenden“ DSL-Kundschaft finanziert werden können, wird man wohl mit den ISPs in weitere Verhandlungen einsteigen müssen, bei denen es nur noch um die Summen geht, nicht mehr ums „ob“. Die Preise auf „Whitelist-Seiten“ würden entsprechend zusätzlich ansteigen, wovon widerum der ISP ja nichts hat, so dass hier ein weiterer Grund für entsprechende Verhandlungen zu finden sein dürfte.

Für die Webseitenbetreiber auf der anderen Seite des Tisches würden derartige Entwicklungen ebenfalls einen „geringeren Ertrags-Kuchen“ bedeuten, den sie sich über Werbung erarbeiten können; zumindest für die meisten. Sie müssten gleichzeitig mit geringeren Ausgaben der Werbeindustrie klarkommen, die die „neuen Kosten“ für die ISPs natürlich von ihrem Etat abziehen muss. Diese Kosten auf den Endkunden abzuladen würde wohl ebenfalls höchstens zum Teil funktionieren, so dass den dann fehlenden Anteil die Webseitenbetreiber gemeinsam mit der Werbeindustrie schultern müssten, nur eben nicht alle in gleichem Masse! Befindet sich die eigene Seite zudem nicht auf der Whitelist hätte man voraussichtlich auch noch deutlich weniger Werbeklicks an sich zu verzeichnen, da ja nun alle Welt den „Whitelist“-Service nutzt; den teuren.

Neue Schranken, neues Geld?

Es mag also durchaus sein, dass der Preis der einzelnen Bannerplätze endlich wieder etwas steigt, aber das käme – wie gesagt – ja auch eher den „Großen“ zu Gute. Und wie leicht man von einer Whitelist runter fliegt und wie schwer es ist, wieder da drauf zu kommen, das steht ja auch noch nicht fest.

Wenn unsere Politiker aber schonmal dabei sind, etwas zu regeln, dann in der Regel auch umfassend. Warum also nicht gleich eine weitere Hürde aufbauen, indem man die Whitelist nur für Verlage öffnet (sic!)? Auf die Art könnte man sich auch den Quatsch mit dem Leistungsschutzrecht sparen, das von seiner inneren Logik ja eh schwer fragwürdig ist. Wenn die Verlage für die Whitelist auch noch ein paar Pfennig zahlen (wie es vielleicht die Werbetreibenden fordern werden), wissen die Kunden auch wieder, wofür so ein Verlag Geld bekommt…eine traumhafte Vorstellung, je nach Blickwinkel, oder?

Genau wie beim LSR kann man das alles eben auch ganz anders sehen, es ist immer nur eine Frage der Bewertung…und die kann sich ja ändern. War es den ISPs vor gar nicht allzu langer Zeit noch wichtig, einfach möglichst viele Kunden zu haben, werden nun die lukrativen und die weniger lukrativen auseinander sortiert…und da ist eben der Werbetraffic der auffälligste Posten (Filme tauschen die Leute wohl gar nicht mehr ;). Mittlerweile sind aber nicht mehr die ISPs diejenigen, die ein Geschäft aufbauen wollen und Unterstützung und Kundschaft benötigen, sondern die Werbewirtschaft, für die das aber natürlich alltägliches Geschäft ist.

Wertewachstum oder Preissteigerung?

Diejenigen, die viele Daten durchleiten wollen, müssen nun eben bei den ISPs anstehen, während früher die ISPs bei denjenigen anstanden, die viel durchzuleiten hatten („vielversprechender Kunde“). So hat sich die Bewertung des eigenen Werts der ISPs und wohl auch deren wirklicher Wert tatsächlich geändert, ja gesteigert, was die entsprechenden Betreiber natürlich auch in „echten“ Veränderungen und dann auch anhand von Zahlen sehen können wollen.

Fazit

Mag ein solch überraschender Vorstoß wie der von free.fr in Deutschland aufgrund der durch eine Behörde geregelten Telekommunikationslandschaft vorerst auch nur schwer denkbar sein, die Diskussion darüber wird bald eröffnet, da bin ich mir recht sicher. Sie passt auch hervorragend zur Diskussion um die Kulturflatrate, zu der sich die ganzen Internetdiensteanbieter bisher erstaunlich wenig geäussert haben, denn damit könnte man eine zusätzliche Endkundenbelastung ja ebenfalls prima begründen UND das Gema-Problem gleich mit erledigen. Dass die Serviceprovider bezüglich GEMA nicht für alle Ewigkeiten komplett außen vor gelassen werden können, wird ihnen eh schon klar sein, denn die Parallelen zwischen dem Netz und einer CD als Datenträger sind ja nunmal nicht dauerhaft zu leugnen…warum haftet einem Rohling eine Kulturabgabe an und dem Internetzugang nicht?

Aus der Kulturflatrate speise sich so nicht nur der GEMA-Anteil, sondern auch ein Beitrag an die „gebeutelten“ Verlage, vermutlich mit einem kleinen Umweg über Google. Durch den so „angepassten“ GEMA-Beitrag wären aber auch wieder mehr Tantiemen zu erwarten, weswegen das LSR auch schnell wieder vom Tisch sein könnte. Erst recht eben, wenn zusätzliche Einnahmequellen für die Verlage über die „Whitelist“ ermöglicht werden.

Alles in allem also eine gute Gelegenheit für die ISPs und die anderen Beteiligten, den „wahren Wert“ ihrer Firmen mal wieder dem Warenwert anzupassen und gleichzeitig eine ungeliebte Diskussion „auf Schnelle“ vom Tisch zu bekommen, bevor sie richtig losgegangen ist. Potential für lange Diskussionen und heiß geredete Köpfe hat das Thema allemal…nur, ob die dann auch in der Öffentlichkeit ausgetragen werden, scheint noch offen. Einen Anteil daran kann ja jeder haben, also teil doch schonmal den Artikel hier, dann läuft das ;)

aardgas

1 comment — post a comment

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bite sprich die Kollegen von Telekom-hilft an. Die werden gerne prufen, was sich in Deinem Fall machen lasst.

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